IRONMAN 70.3 Kraichgau 2017

Es hört sich nach nackten Zahlen an:

1,9 km Swim: 0:43 Std.
90 km Bike: 3:59 Std.
21 km Run: 2:19 Std.
Total: 7:11 Std.

Es war aber viel mehr als das, nämlich eine emotionale Reise durch das Land der tausend Hügel. Total verrückt und wow, was für ein Gefühl. I did it 🏁🏊🏻‍🚴🏻‍🏃🏼! Ich habe meine erste Triathlon-Mitteldistanz geschafft.

Der Tag begann früh um 5:35 Uhr als der Wecker klingte. Das Rad hatte ich bereits am Samstag eingecheckt, aber ich wollte dennoch möglichst früh am Hardtsee sein, um das Bike nochmals zu überprüfen und die Versorgung anzubringen. Ich bin dann die Laufwege abgegangen, um nach dem Schwimmausstieg meinen Beutel  und vorallem mein Rad zu finden. Fast ganz hinten war noch ein Plätzchen frei, immerhin war es zum Radaufstieg nicht weit. Noch einen kurzen Blick auf den See, die Bojen stehen, es kann los gehen 🤗.

Pünktlich um 9:05 Uhr donnerten die Kanonen zu AC/DC Hells Bells das Pulver aus den Rohren und die MEN PROs rannten ins Wasser, 5 Minuten später die WOMEN PROs gefolgt von den AK-Athleten. Dieses Jahr wurde der Rolling Start eingeführt, d. h. die Athleten starten im 5 Sekunden-Takt und hatten sich zuvor in die Box mit der geschätzten Schwimmzeit eingereiht. Ich stand bei 40-50 min. Es war spannend, das Rennen zu verfolgen, denn nach ca. 20 Minuten kamen schon die ersten Männer wieder aus dem Wasser. Gegen 10 Uhr war ich an der Reihe, die Helfer schickten mich auf meine IRONMAN Reise.

My Challenge

Im Wasser kam ich wirklich gut zurecht und so schwamm ich mit den anderen Mitstreitern in die Mitte des Sees. Nach ca. 700 m befand sich eine Arena-Boje diese musste umschwommen werden, danach ging es ca. 300 m rechts rüber und dann für ca. 400 m an die andere Seite des Sees. Die vorletzte Boje hatte ich erreicht. Puh, fast geschafft. Ich kraulte nochmals richtig durch, die 500 m Kraulschwimmen, sollte auch noch drin sein. Mein Neopren-Anzug hatte mich gut unterstützt, ich hatte damit überhaupt keine Probleme. Nach 43 Minuten drückte ich die Uhr und rannte zur Wechselzone. Schnell aus den Neo raus, in die Radschuhe rein, den Beutel in die Drop-Off Box werfen und zum Bike. Ich packte mein Rad und rannte zum Radaufstieg. Dort stand Christina mit Ihren Eltern und feuerten mich kräftig an. Mich erwartete nun eine 90 Kilometer Radstrecke durchs Land der 1000 Hügel, mit 860 Höhenmeter 😆.

Die ersten 10 Kilometer waren genau richtig um reinzukommen, ausschließlich flach. Ab Kilometer 12 wurde man bei der Auffahrt zum Schindelberg auf die Höhenmetern eingestimmt. Da kam schon das Motorrad mit dem Führenden – Sebastian Kienle,  entgegen, der lag auf dem Lenker und donnerte die Piste runter, alter Schlappen.

Als ich den Schindelberg schließlich erreicht hatte, stand auch für mich die erste Abfahrt an. Mit über 50 Km/h ging es hinab und ich schoss links an anderen Athleten vorbei. Da der Abschnitt teilweise schmal ist und andere bereits wieder hoch fahren, musste man echt aufpassen. Unten angekommen, voll in die Bremsen, damit die 90 Grad Kurve nicht geradeaus führte. Es waren einige solche Stelle auf der Strecke, aber durch die Kraichgau-Radausfahrten, war ich gut darauf vorbereitet.

Über Odenheim ging es nach Menzingen, an Bahnbrücken vorbei. Ich musste immer fleißig schalten und treten. Auf die Abfahrt vor Gochsheim freute ich mich. Mit knapp 56 km/h ging es ins Dorf, eine gut zu fahrende Abzweigung und dann kam die 13 % Steigung auf 250 Meter Länge. An dieser Stelle hieß es rechtzeitig runterschalten, alles was geht 😝. Ich nahm den Schwung gut mit und wechselte in den Wiegetritt. Die Zuschauer an diesem Abschnitt feuerten an, das Adrenalin wirkte, mein Herz pumpte. „Auf jetzt, gleich geschafft – nur noch 50 Meter“. Einfach Wahnsinn!

Es ging durch den schönen Herrenwald runter nach Büchig, dort fuhren wir eine Schleife. Das ist der weiteste Punkt von der Strecke. Es muss in Büchig gewesen sein, dort waren ein großer Partybereich eingerichtet, davor hatte ich mich an meiner Verpflegungsstation gut versorgt. Es ging weiter bei der Abfahrt nach Bauerbach, über Flehingen, Zaisenhausen zurück nach Odenheim. Bei KM 70 war ich bereits 3 Std. unterwegs. Jetzt kam der Abschnitt mit der Auffahrt nach Eichelsberg. Oben angekommen, musste ich meine Kräfte sammeln und nutzte die Abfahrt um etwas meine Beine zu lockern.

Auffahrt Schindelberg: 3 Rampen die eigentlich gut zu meistern sind. Blöd nur, wenn an der zweiten Rampe den Schweiß in die Augen bekommt, fürchterlich brennt und man nichts mehr sieht 😧. Hinzukam, dass mir bei der 1. Rampen schon meine Oberschenkel signalisierten, dass etwas Pause gut wäre. 1:0 für den Schindelberg. Ich musste mich geschlagen geben, stieg ab und schob. Vor der 3. Rampe klickte ich wieder ein und fuhr an, was an dieser Stelle ein Glück gut möglich war. Geschafft, schnell weg hier…

Die letzten 10 KM sind gut zu fahren, bei der Abfahrt hatte ich über 60 Km/h auf dem Tacho. Ich versuchte meine Beine weiter aufzulockern, so dass ich vor dem Bike-Abstieg gut stehen konnte. Naja, gut war anders. Ich merkte schon die Belastung und so humpelte ich in die Wechselzone 2. Ein Halbmarathon ist jetzt bestimmt eine ausgezeichnete Idee. Im Zelte dehnte ich mich etwas aus. Das Zeug aus und in den Wechselbeutel. Oh, da war ja was. Mein leicht angeschmolzenes Snickers. Ich sah die Blicke der anderen. Aber sorry, ich konnte nicht teilen. Alles meins! Salztabletten oder Gels hätte ich jederzeit geteilt.

Mütze auf und los. Langsam musste ich in die Laufbewegung reinkommen. Ich war froh auf der Laufstrecke zu sein. Mir war auch klar, dass ich hier nicht meine Bestzeit laufen würde. Aber vielleicht kommt es bei einer solcher Distanz drauf an, sich realistisch einzuschätzen und auch einfach dankbar zu sein, dass man das überhaupt machen kann? Ich war dankbar und lief den 1. Kilometer an. Die Strecke kannte ich bereits vom vergangenen Jahr, dort hatte ich den 5150 (Olympische Distanz) gefinisht und war damals froh, nicht noch die untere Schleife laufen zu müssen.

Aber ich muss sagen, das Stück war echt toll. Richtig schön an einem Waldstück entlang. Die Bewohner dort hatten auch super unterstützt und uns mit dem Schlauch gekühlt. Das war bei den Temperaturen von 33 Grad echt erforderlich. An den Verpflegungsstellen hatte ich mich auch immer gut versorgt. Schwämme in den Anzug rein, Wasser auf und in der Kopf. Weiter geht’s! Ich dachte an den 50 km-Ultramarathon Rodgau, dort waren die letzten 3 Runden auch hart.

Das erste Runden-Bändchen, dann das zweite. Es war sehr motivierend, da ich mich von Station zu Station kämpfte. Ich war froh, dass meine Oberschenkel mitgemacht haben. Die Laufbewegung tat gut und so lief ich wie ein Uhrwerk, wie Christinas Papa später meinte. Es war übel heiß, aber die Schwämme halfen mich zu kühlen. Endlich mein 3. Bändchen. Jetzt ging es nur noch zurück. Und dann war es soweit! Ich konnte in den Zielkanal abbiegen und war mega happy!!! Dieser Moment war einfach unbeschreiblich. Ich habe meinen ersten IRONMAN 70.3 gefinisht ❗

Mein Dank geht noch an die zahlreichen Helfer, die an der Strecke einen ausgezeichneten Support geleistet haben, Ihr seid spitze!

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8 Kommentare zu „IRONMAN 70.3 Kraichgau 2017

Gib deinen ab

  1. Hi Marcus, Glückwunsch! Auch für mich war der Ironman 70.3 in Kraichgau meine erste richtige Mitteldistanz… nur meinen Blogbeitrag darüber habe ich noch nicht geschrieben.

    Die Strecke war sehr anspruchsvoll, sowohl auf dem Rad als auch beim Laufen. Die Radstrecke kannte ich nur von der offiziellen Streckenbesichtigung Anfang Mai, als wir im strömenden Regen 4 Stunden herumgefahren sind… das war übel…

    Ist deine nächste Mitteldistanz schon geplant?

    VIele Grüße Ruben

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Ruben, auch Dir meinen herzlichen Glückwunsch! Die Radausfahrt im Mai war echt übel, da war ich auch dabei. Am Wettkampftag hat uns dafür die Sonne gebrutzelt 😆 Bin auf deinen Bericht gespannt. Mal schauen, ob es dieses Jahr noch mit einer MD klappt. Gruß Marcus

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      1. Dann warst du einer von den 7 anderen 😀 … Mensch bei dem Scheisswetter war ja echt kaum einer dabei… aber ich war froh darum. Hatte eigentlich keinen Bock, aber ein Teamkollege hat mich motiviert mitzukommen und es war wichtig.

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