IRONMAN 70.3 Zell am See-Kaprun 2019

Oder: „Die Audienz beim Hochkönig“.

Wie fühlt es sich an, wenn man aus der Rheinebene kommt und dann in den Alpen unterwegs ist? Ich weiß es jetzt 😀.

Schon im letzten Jahr habe ich mich zu diesem Abenteuer entschlossen und wurde nicht enttäuscht. Meine Erwartungen wurde gänzlich übertroffen, das ist dort eine wunderschöne Landschaft und es war etwas schade, dass wir nur ein paar Tage im Salzburgerland verbracht haben.

Als wir angekommen sind, habe ich erstmal die Registrierung hinter mich gebracht und Christina ist beim IRONGIRL-Lauf gestartet. Ich konnte es kaum abwarten und daher sind wir die Radstrecke abgefahren. Ich muss schon sagen, dass mir etwas mulmig wurde. Das muss die Stelle mit dem Skilift gewesen sein. Ja klar, fahre ich da hoch – kein Problem. Der Polo hatte im Sportgang und DSG-Getriebe eher wenig Probleme. Christina hat nur gelacht. Da war es endlich, das legendäre Schild: „Filzensattel 1290m Seehöhe“.

Zum Vergleich: Bei uns im Schwarzwald hat die Hornisgrinde 1163m! Oder die Kalmit in der Südpfalz nur 600m, daher bin ich die auch zweimal im Training gefahren.

Danach ging der Spaß bei den Abfahrten weiter. Boah, da muss ich langsam machen. Die Matten waren schon aufgestellt, da kann es einen gut raushauen, da die Kurven schwer einsehbar sind und stark zu ziehen. Im Hotel später angekommen, machte ich mir ernsthaft Gedanken…

Am Samstag nahm ich noch am Testschwimmen teil, das hat gut geklappt.

Der große Tag

Es war bewölkt am Himmel, am Vortag war es viel schön, auf Mittags wurden sogar starker Regen und Gewitter gemeldet. Das würde dann vermutlich zum Rennabbruch führen – also schwarze Flagge.

Um 11 Uhr ging es für die Profis los, später dann für uns Agegrouper. In meiner Box für eine Schwimmzeit zwischen 40-45 min standen nur noch wenige Leute. Das konnte ich fast nicht glauben, sind denn alle so gut?!

Ich war an der Reihe und sprang in den Zeller See – was ein herrlicher Bergsee! Beim Schwimmen brauchte man fast keine Orientierung, es ging 4 Bojen gerade aus auf der Grand Hotel, dort eine dreieckige Boje zur anderen rüber und dann wieder zurück. Im Neoprenanzug lag ich bequem im Wasser und zog die Arme durch. Das kannte ich bislang nicht, mir wurde schwindlig und richtig schlecht. Das Wasser schwappte an meinen Kopf. Ich hob den Kopf aus dem Wasser und sucht mir einen festen Punkt, den ich auch beim Atmen immer wieder anvisierte. Es hat geholfen, mir ging es besser, an der Wendeboje ging es dann schon zurück. Kurz vor Schluss hat sich ein Krampf im linken Unterschenkel ausgelöst, den ich dann auf dem Rücken liegend, rausmassieren konnte. Mit etwas Zeitverlust, 2000 Meter (anstatt 1900) auf der Uhr stieg ich aus dem Wasser und zog mich fürs Rad um. Noch kurz auf die Toilette und dann ging’s los.

Die ersten 20 KM waren super auf der Bundesstraße zu fahren. Kurz vor Lend/Embach geht es dann die Steigungen zum Filzensattel hoch. Hier stecken auch die meisten Höhenmeter drin, eine Länge von 13 KM mit einem Höhenunterschied von 650 Meter!

Ein Bach fließt nebenher und es wurde fleißig gekurbelt, da es zwischendrin immer flache Stücke gab, ging das gut zu fahren. Das sind die Abschnitte: Boden, Eschenau, Sonnberg, Schattberg. In Dienten am Hochkönig angekommen, blieb etwas Zeit um die Reserven an den Labestationen wieder aufzufüllen. Jetzt kam der knackige Teil, 2 KM mit max. 14% Steigung 🙄 .

Irgendwann ist bei mir der Punkt gekommen, dass ich nicht mehr weiterkurbeln konnte. Ich hätte gerne noch Gänge runtergeschalten, es ging aber nichts mehr. Es gab daher nur die Möglichkeit kontrolliert auszuklicken oder vielleicht irgendwann umzufallen. Ich habe mich fürs erste entschieden, das war’s…so schlecht 🙈. Mich hat das voll angek****, dann war es mir egal, ich hatte keinen Bock mehr. Zu Fuß war ich aber fast genauso schnell wie andere auf dem Rad. Anderen Athleten ging es wie mir, daher war ich in bester Gesellschaft. Wer sein Rad liebt…der schiebt. Immerhin besser als mit einer gebrochenem Schaltauge oder ähnlichem am Rand zu stehen. Ich bin zweimal aufgestiegen, um wieder anzufahren. Selbstverständlich wollte ich am höhsten Punkt kein Bild in der Schiebeposition.

Puh, endlich geschafft. Jetzt kommt die Abfahrt, das ist auch sehr kernig. Das Schild mit 15% Gefälle gibt die erste Vorwarnung. Ich fuhr kontrolliert und stotterte mit beiden Bremsen, was für eine Achterbahnfahrt. Leider musste ein Athlet notversorgt werden, der Rettungshubschrauber stand schon auf einem Felsvorsprung. Das TT-Bike war Schrott, sah nach frontalem Aufprall aus.

Der Abschnitt nach Maria Alm und danach war gut zufahren, ich genoss den Fahrtwind, lag auf meinem Lenker und trat im höchsten Gang. Dennoch war ich voll konzentriert und hob im Baustellenbereich den Lenker noch fester. In Zell am See wieder angekommen, liefen schon die ersten auf der Laufstrecke. Ich muss noch etwas warten, so schoss ich an unserem Hotel vorbei, Christina feuerte mich an und ich fuhr die Schleife nach Kaprun und wieder zurück. Dort war auch eine mega Stimmung, ca. 30 Trommler haben uns dort richtig eingeheizt. Endlich – Bike-Abstieg nach 3:23:47 Std. für 90 KM.

Ich rannte mit meinem Bike in die Wechselzone, stellte es ab und macht mich auf zum Wechselbeutel. Auf der Laufstrecke angekommen, war ich erstmal voll perplex. Christina stand da mit ca. 20 anderen jungen Frauen, die meinen Namen riefen. Gooooo Marcus, goooo! Später dann die Aufklärung, es war eine Gruppe aus Island, die hatten ihren Spaß und feuerten deren Athleten sowas von an.

Mein Rücken war etwas verzogen, links unterm Schulterblatt zog es mir rein. Das ist meine Stelle, diese kenne ich auch von anderen Wettkämpfen, speziell gegen Ende beim Marathon. Es könnte hier aber vom Atmen beim Schwimmen, wegen der Kopfbewegung oder eben von der Position beim Radfahren ausgelöst worden zu sein. Ich blieb kurz stehen, renkte mich ein und lief locker den Halbmarathon an. Glücklicherweise hob sich die Verspannung auf, ich fühlte mich viel besser und lief Kilometer für Kilometer.

Schon auf der 2. Runde, jetzt nur noch einmal ans Ende und zurück. Ich lerne Anja kennen und wir plauderten und spornten uns an. Wir liefen gleichmäßig und machten an den Verpflegungsstellen immer kurz rast. Das war echt sehr kurzweilig und hat geholfen. Endlich, wir bogen in den Zielkanal ein, mit 6:36:51 Std. war ich zufrieden und glücklich.

Als wir wenig später mit dem Bus zur Wechselzone gefahren sind, ist ein starken Wolkenbruch und Gewitter runtergekommen, das Wasser stand auf der Straße bis zum Gehweg. Das Event war noch nicht zu Ende, bis 20 Uhr hatte das Ziel noch ca. 1,5 Stunden geöffnet, die armen Athleten. So ein Mist. Ich musste noch mein Rad auschecken und ins Hotel zurückfahren. Wie ein begossener Pudel kam ich an, ging direkt warm Duschen und dann danach lecker essen. Ich konnte es noch nicht fassen, was für ein Tag, es war echt hart, das macht Lust auf mehr 😏.

Fazit: Meine Einschätzung ist, dass die Radstrecke nicht schwerer ist als beim IRONMAN 70.3 Kraichgau, man muss einfach nur das Bergfahren üben. Hier zählt auch jedes Gramm, am besten runter auf 76-78 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,84m, ich war da leider weiter entfernt 🤔.

***

THE END

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